Reiselust

Eine müde Kirsche macht sich jetzt daran, von den letzten Tagen zu berichten.

 

Also, am Mittwoch habe ich gebucht, und meine Sachen gepackt. Am Donnerstag bin ich zu Bénédicte nach Downtown gefahren und wir haben einen lustigen Mädelsabend verbracht. Freitag, um 7.15 Uhr in der Früh, sind Bénédicte und ich in den Bus gestiegen, zusammen mit jeder Menge Brasilianer, einigen Franzosen, Schweizern, Italienern, Australiern, Koreanern, ... Insgesamt waren wir 47 Leute.

Adam, unser Führer, hat sich vorgestellt und gleich damit begonnen, Regeln aufzustellen:

1. Wer das Wort "mine" sagt, muss an Ort und Stelle 10 Hampelmänner machen.

2. Wenn er etwas erzählt und dabei seine rechte Hand hebt machen alle ein erstauntes "ooooh" und wenn er die linke Hand senkt, machen alle "aaah".

 

Die Fahrt war unterhaltsam und Adam versteht sich darauf, alle zum Lachen zu bringen. Ich war sein erstes Opfer und durfte gleich im Bud die Hampelmänner machen.

 

Nach einigen Stunden Fahrt haben wir in Hope Pause gemacht und sind weiter auf dem Highway nach Golden gefahren. Nach einigen weiteren Pinkelpausen und Mittag in Kamloops sind wir abends gegen 18 Uhr in unserem Hotel/Motel angekommen. Die Zimmer wurden zu viert belegt und ich habe mir mit Bénédicte ein Doppelbett geteilt. In unserem Zimmer war nur noch eine um die 30 Jahre alte Australierin, die allein auf die Reise gegangen ist und deshalb auch ein Bett für sich haben wollte.

Später gab es Pizza und Adam hat den Weg zum Liquor Store beschrieben. Der Abend klang irgendwo zwischen entspannt, verrückt und feuchtfröhlich im Schwimmbad aus und nach Whirlpool und ein paar Schlucken Alkohol haben einige (darunter auch Bénédicte und ich) draußen eine Schneeballschlacht veranstaltet und sich danach im Schwimmbecken aufgewärmt, was eigentlich eher kalt war, aber im Vergleich zu den -x Grad draußen angenehm warm. Darauffolgend haben wir Wassereimer zur kaputten Rutsche getragen und sind runtergerutscht und hatten viel Spaß.

Am Ende des Abend haben drei verrückt Menschen, Adam, Guillaume (ein Franzose) und ich, Schneeengel in Badesachen gemacht und danach sind alle schnell ins Bett.

 

Am nächsten Morgen haben Béné und ich verschlafen, weil sie vergessen hatte, ihre Uhr umzustellen, dann haben wir schnell Frühstück gegessen und waren um 9 Uhr zusammen mit den anderen wieder auf der verschneiten Straße. Der Weg nach Banff führte uns in die Provinz Alberta und zum Lake Louise, der, im Sommer strahlend grün und blau, zur Zeit fast komplett zugefroren zwischen den Bergen liegt und wunderschön ist. Das dort gelegene Hotel, welches man auch auf den Photos sieht, war natürlich dementsprechend ein kleines Schlösschen.

Weiter ging es zum Skigebiet von Lake Louise, wo an dem Wochenende die Abfahrtski-Meisterschaften für Männer stattgefunden haben.

Weiter ging es zum Johnston Canyon, wo man auf einem einstündigen Spaziergang zwischen Felswänden und Bäumen hindurch wortwörtlich gefrorene Wasserfälle sehen konnte. Am Abend sind wir im Hotel in Banff angekommen, haben kurz die kleine Stadt erkundet, die tolle Aussicht aus unserem Hotelzimmer genossen, alle zusammen Burger gegessen und sind anschließend in eine Bar und später in einen Club gegangen. Was dort passierte, kann man sich ja vorstellen: Ausgelassenes Feiern, Trinken, Spaß, Tanzen, ... ganz vorne dabei natürlich Adam. Ich habe die meiste Zeit mit französischsprechenden Leuten verbracht, Franzosen und Schweizern, alle super nett und gut drauf.

 

Am Sonntagmorgen ging es trotz Müdigkeit wieder los, in aller Frühe zur Gondola, die uns auf den Sulphur Mountain geführt hat, von wo aus man eine tolle Sicht aufs Tal und Banff hat. Oben auf dem Berg befindet sich eine alte Wetterstation, zu der früher einmal im Moment jemand gewandert ist, um für die kommenden Wochen Stürme und Schneefälle vorauszusagen. Heute ist das dank Sattelliten etc. zum Glück nicht mehr notwendig.

Oben auf dem Berg, in 2400 Metern Höhe über dem Meeresspiegel, waren es zwischen -10 °C und -15 °C und kalt genug, dass die Wassermoleküle in der Luft gefroren sind und in der Sonne geglitzert haben oder sich an den Zäunen zu zackigen Gebilden gefügt haben. Eine Weile bin ich abseits der Gruppe gegangen und wenn ich für einen Augenblick stehen geblieben bin und das Knirschen meiner Schuhe auf dem Schnee verklungen war, herrschte absolute Stille und das hat mir zusammen mit dem gigantischen Ausblick auf unendliche Berge schier den Atem geraubt. Das und die glitzernde Luft waren das Schönste des Ausflugs auf den Berg.

 

Auf unserem weiteren Weg durch den Baff National Park, der mit 6.641 km² Größe und einem Alter von 125 Jahren einer der größeren Nationalparks der Rockies und der drittälteste weltweit ist, sind wir im Bus an Elchen vorbeigekommen und haben am Two Jack Lake und einem weiteren schönen See angehalten, wovon letzterer aufgrund seiner Tiefe nie zufriert.

Der Nachmittag stand uns zur freien Verfügung und Bénédicte, Guillaume und ich haben uns entschieden, ihn mit einem Spaziergang zum Banff Springs Hotel, einem unendlich großen Schlosshotel, zu verbringen. Das Hotel ist ein Traum und die Aussicht atemberaubend und ich hätte es sicherlich noch einige Stunden weiter erkunden können.

Auf dem Rückweg sind wir an einigen Häusern vorbeigekommen, die mein Herz höher schlagen ließen und in einem Kopf Bilder erzeugt haben von einem verschneiten Wintertag an der kalten Luft, mitten im Nirgendwo in Kanada, in einem Wald, man ist zu weit, dick eingemummelt, kommt nach Hause, wärmt sich am Kamin,... die Vollendung dieser Geschichte ist jedem selbst überlassen. Kitsch pur, aber nichtsdestotrotz zum Greifen nah.

 

Dann ging es wieder westwärts nach Revelstoke, wo wir erst spät abends ankamen und den letzten Abend in einer lokalen Bar verbracht haben. Bis um 3.30 Uhr morgens habe ich mit einigen Leuten geschnackt, dann sind wir tot ins Bett gefallen und am nächsten Morgen wieder früh auf die Straße, heimwärts...


Kaum in Vancouver angekommen, wo es natürlich regnete, wollten alle am liebsten gleich wieder zurück in die Rocky Mountains. Gegen 20 Uhr bin ich "nach Hause" gekommen und habe mein Zimmer gemütlich hergerichtet gefunden mit Kerze und Schokolade, das Bett gemacht. Judy und Stew sind wirklich gut zu mir und die Kinder haben sich sehr gefreut, dass ich wieder da war. Am Dienstag und Mittwoch habe ich halb tot auf der Arbeit gesessen, noch total alle vom Wochenende und dem vielen Schlafmangel, der auch nach der Rückkehr nicht besser geworden ist, weil ich abends meine 650 Photos sortieren musste... Am Mittwochabend haben wir in einer Bar in Downtown mit Leuten von der Tour gefeiert und Donnerstag hatte ich frei sowie auch heute.

 

 

Das Fazit des Wochenendes: Nichts gegen die vielen Leute, die sehr nett waren, aber das nächst Mal fahre ich lieber in einer kleineren Gruppe, möglichst nur zu zweit, dann kann man viel mehr genießen und Leute findet man immer, wenn man möchte und sich nicht gerade in Alaska befindet. Aber dort geht es hoffentlich auch noch hin.

 

 

Morgen schlafe ich aus, mache Berliner Brot als Überraschung für die Familie, die zur Weihnachtsfeier von Stews Firma ins Aquarium geht, und am frühen Nachmittag gehen die Mädels der Familie alle zusammen zu Judys Tante Tee trinken. Das ist bei denen Tradition und ich bin herzlich eingeladen.

 

Ansonsten habe ich heute eine Rundmail geschrieben an alle Leute, die ich in Kanada kenne, und gefragt, wer Lust hat auf Reise zu gehen nach Calgary, Whistler, Seattle, Vegas und Alaska. Mal sehen, was kommt... mich hat ein wenig die Reiselust gepackt und ich möchte ja auch alles gesehen haben, wenn ich im Mai nach Hause komme :)

 

Jetzt gehe ich schnell ins Bett. Eventuell bearbeite ich den Beitrag die Tage noch mal, aber jetzt bin ich zu faul ihn noch einmal durchzulesen. Seid mir nicht böse ;)

Gute Nacht!

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