Tiefschlaf am Morgen, Fitness am Abend

Der Tag hat heute ganz mies angefangen. Ich habe um 7 Uhr meine Augen aufgeschlagen und beim Blick auf die Uhr erschrocken feststellen müssen, dass ich meinen Wecker offensichtlich nicht gehört und oder im Halbschlaf ausgeschaltet habe und der Bus in 6 Minuten fährt. Also bin ich aus dem Bett gesprungen, habe Carmen, meine Mitfahrgelegenheit angerufen, abgesagt, eine Mail an unsere Managerin geschrieben, die Busverbindung rausgesucht, mich angezogen, meine Tasche geschnappt und um 7.30 Uhr den Bus erwischt. Keine Dusche, kein Frühstück und auch nichts für unterwegs, kein Zähneputzen,... Das gefiel mir gar nicht. Und besonders schlimm: keine Zeit, mir wie üblich die drei Tonnen Schminke ins Gesicht zu spachteln ;)

Eine Stunde später habe ich im Regen mehr als 30 Minuten auf den nächsten Bus gewartet, froh, meine gute alte Regenjacke anzuhaben, die neben mir auch noch meinen Laptop trocken gehalten hat, und bin nach 2 Stunden auf der Arbeit erschienen. Unterwegs hatte ich auch noch das Glück, an den Bahnschienen zu warten, während ein Güterzug mit 114 Anhängern an mir vorbeifuhr. Meine 30 Minuten an der Bushaltestelle hatte ich ebenfalls schon mit dem Zählen der Anhänger von drei verschiedenen Zügen verbracht und festgestellt, dass die Güterzüge in Kanada um einiges länger zu sein scheinen als in Deutschland. Noch ein Punkt, den ich auf meiner gestern begonnen "Liste der 100 Dinge, die anders sind als zu Hause" ergänzen muss.

 

Ich bin unsere Aktenschränke durchgegangen, weil etliche Sachen offensichtlich falsch wegsortiert waren, und bin in 7 Stunden immerhin von A bis nach D gekommen. Ich weiß ja, was ich die nächsten Tage machen werde...

Im Bus auf dem Heimweg habe ich Stew getroffen, der auch gerade von der Arbeit kam, und wir haben uns nett unterhalten. "Zu Hause" gab es Spaghetti Bolognese, dann sind die anderen zum Weihnachtsbaum-Kauf losgezogen, aber mit leeren Händen zurückgekehrt. Es war wohl nicht der Richtige dabei. Dieses Jahr soll es ein "Charlie Brown" werden, welcher weniger üppig ist, wie ich mir habe sagen lassen.

In der Zwischenzeit habe ich die Küche aufgeräumt, Wäsche gewaschen und mich auf den Heimtrainer gesetzt, bin 30 Minuten gefahren, hab währenddessen gelesen, dann Sit-ups und diverses gemacht und habe das Ganze noch einmal wiederholt. Gegen das Bäuchlein und das schlechte Gewissen. Gerade war ich duschen und jetzt mache ich auch schon wieder die Äugelein zu.

 

Die Tage muss ich wohl oder übel mit dem Weihnachtsmann in Verbindung treten, denn ich bin mir nicht ganz sicher, ob und wie seine Helfer Geschenke nach Deutschland bringen werden. Ich befürchte, dass sie es nicht rechtzeitig schaffen.

Außerdem muss ich mich für Januar nach einem Zimmer in Downtown umsehen, denn dort wohnen möchte ich auf jeden Fall noch, bevor ich meine Reise in das große Land antrete. Auf der anderen Seite habe ich die Familie hier schon sehr lieb gewonnen, was auch auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint, und die Kinder sind sicher traurig, wenn ich erzähle, dass ich schon am Januar nicht mehr bei ihnen wohnen werde... Das ist ja auch schon in 4 Wochen. Aber mit Judy habe ich schon mal grob abgesprochen, dass ich meinen Koffer wahrscheinlich hier lassen kann, während ich mit dem Rucksack unterwegs bin, und diesen dann wieder einsammle, bevor mein Flug von Vancouver nach Hause geht. Es ist sicher auch nett, noch einmal eine Woche in Vancouver zu sein und die Familie zu sehen, bevor es endgültig nach Hause geht.

 

Nebenbei: Kanada ist ca. 28 Mal so groß wie Deutschland, besitzt aber nur ca. 34 Millionen Einwohner, hat also eine Bevölkerungsdichte von 3,4 Einwohnern pro km² (Wikipedia). Das liegt daran, dass es im Norden so kalt ist. Die meisten Menschen leben nahe der Grenze zu den Vereinigten Staaten.

Und weil allein die Provinz British Columbia, in welcher Vancouver liegt, schon 2,5 Mal so groß ist wie Deutschland, sind Menschen wie Judy noch nicht einmal bis in die nächste, östlich angrenzende Provinz Alberta gekommen. Viele Menschen hier haben es nicht einmal bis in die Rockies geschafft, was meiner Meinung nach eine wahre Schande ist. Das beweist aber nur, dass man ein Land am besten erkundet, wenn man Tourist ist. Im nächsten Jahr spiele ich dann den Touristen mit Kamera, Shorts und Tennissocken in Trekkingsandalen und erkunde Deutschland. Ihr seid alle herzlich dazu eingeladen, mich zu euch einzuladen :)

 

So, ab in die Heia, sonst riskiere ich, morgen früh wieder noch halb bewusstlos meinen Wecker auszuschalten.

Gute Nacht! *knips* Licht aus...

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