Sonne adé, -20°C, ich komme!

Der Bericht ist sehr lang geworden. Wem das zu viel ist, einfach Fotos anschauen.

Die 10 Tage in Kalifornien und Nevada sind viel zu schnell vorübergezogen. Am letzten Mittwoch, den 23. Februar, sind wir etwas verspätet losgefahren, weil der Auspuff meines Autos wieder aufgehängt werden musste und ich die neuen Winterreifen habe raufziehen lassen, dann haben wir länger gebraucht aufgrund des heftigen Schneesturms und die Nacht in Seattle verbracht. Auf dem Weg nach San Francisco haben wir an einigen Stränden angehalten, darunter Cannon und Rockaway Beach, die trotz der Kälte zu ein wenig Entspannen eingeladen haben.

Die Begegnung an der Grenze war zunächst nervig, im Nachhinein aber lustig. Wir wurden nach der Passkontrolle in ein Bürogebäude geschickt, wo uns ein Beamter am Schalter lauter Fragen gestellt hat. Darunter gehörte, welche Drogen wir denn nach LA mitgenommen haben. Er erwähnte auch, dass wir uns nicht er schießen lassen sollen und fragte gleich darauf, welche Art von Feuerwaffen wir im Gepäck hätten. Mir lag eine sarkastische Erwiderung auf der Zunge, aber die habe ich mir glücklicherweise verkniffen. Der Beamte hat versucht, sehr streng zu wirken, was ihm gelungen ist, bis ich den Fingerabdruckscan gemacht habe. Da Sven den vor mir schon gemacht hat, wusste, ich was zu tun war, trotzdem hat der Beamte die üblichen Anweisungen herunter gespult und weil ich dabei wahrscheinlich etwas lachen musste, hat sein Mundwinkel auch etwas gezuckt.

 

Am Donnerstag, den 24. Februar, sind wir morgens um 7 Uhr aufgewacht, haben trockene Cornflakes zum Frühstück gegessen und sind direkt weitergefahren auf dem Highway 101 an der Pazifikküste entlang, wo wir unterwegs die schönen Strände mit tollen Wellen entdeckt haben. Nur das Schneechaos war uns ein Dorn im Auge. Um 23 Uhr haben wir in einem Motel eingecheckt und sind am nächsten Morgen um 8 Uhr nach einem Frühstück wieder losgefahren.

Unterwegs war das Tanken ein kleines Abenteuer, weil die Amis in Gallonen messen und wir nicht den blassesten Schimmer hatten, wie viel das überhaupt ist.

Um 14:19 Uhr sind wir über die kalifornische Grenze gefahren und wurden kurz darauf in einer Straßenkontrolle gefragt: "Do you have any fruits" - "No." - "Okay, bye!". Darüber haben wir uns etwas amüsiert und uns den Rest der Fahrt irgendwie vertrieben, bis wir um 21:30 Uhr nach Schwierigkeiten, uns in San Francisco zurechtzufinden, im Hostel angekommen sind.

Dort haben wir unser Zimmer bezogen und sind gleich losgezogen in die Stadt, haben ein Eis gegessen und sind um 2 Uhr morgens ins Bett gegangen.

Am Morgen des 25. Februars sind wir früh zum Stadion am Hafen aufgebrochen und anschließend am Wasser entlang gelaufen. Die Suche nach einem Fischbrötchen, auf das wir beide Appetit hatten, war erfolglos wie auch der Versuch, sich mit Martin Bruno (einem Verwandten irgendwo aus Thomas' Familie) zu treffen, der ebenfalls in San Francisco war.

Am Hafen lag die Lady Washington, ein riesiges altes Segelschiff im Fluch der Karibik Stil, das ich mir angesehen habe. Dort habe ich mich mit einem Mädchen in den 20ern unterhalten, die mit 12 anderen Leuten auf dem Schiff lebt. Sie hat erzählt, wie sie in die Crew gekommen ist, einen Segelkurs gemacht hat und jetzt von Zentralamerika nach Norden segelt. Jeder auf dem Schiff arbeitet. Es muss geputzt, geölt, lackiert werden, die Segel und alles andere brauchen Pflege etc. Je nachdem wird alle paar Tage oder auch schon nach wenigen Stunden der nächste Hafen angelaufen, wo das Boot für eineinhalb Wochen liegen bleibt, besichtigt wird, und dann geht es weiter. Als ich gegangen bin, hat das Mädel ihre Gitarre rausgeholt und angefangen zu spielen... So lässt es sich leben.

Anschließend haben wir uns die Lombard Street angesehen, die im Sommer sicherlich herrlich aussieht, wenn die Blumen blühen, sind bergauf und -ab gewandert bis zur Golden Gate Bridge, haben den schönen Strand bewundert, Photos gemacht und uns auf den zweieinhalbstündigen Rückweg gemacht, mit schmerzenden Füßen und der untergehenden Sonne im Rücken.

Unser Abendessen haben wir in der Hostelküche kochen können, danach habe ich bei einem Bierchen (welches es ab 20:30 Uhr im Hosteleigenen Partykeller kostenfrei gibt) versucht, die weitere Reise zu strukturieren (ganz ich!).

 

San Francisco ist eine schöne Stadt. Die Häuser im Zentrum sind sehr großstadttypisch, die darum herum liegenden Wohnhäuser sind mediterran angehaucht und haben mich teilweise stark an die Toskana erinnert.

 

Freitagmorgen habe ich in meinen Emails die erfreuliche Nachricht gelesen, dass wir in der Nähe von Santa Monica von einem Couchsurfer aufgenommen werden würden und wir haben uns wie immer ohne Karte auf den Weg weiter gen Süden gemacht. Die meiste Zeit bin ich gefahren, besonders abends, weil Sven aufgrund seiner schlechten Augen bei Dunkelheit nur verschwommene Lichter sieht. Nach ca. 5000 Kilometern Autofahrt mit unterschiedlichsten schlechten Wetterverhältnissen kann ich nun endlich von mir behaupten, für die große Reise durch Kanada gerüstet zu sein.

 

Abends bei Austin, dem Couchsurfer, haben wir mit ihm und seinem Freund Will ein Barbecue gemacht, uns unterhalten und sind später todmüde ins Bett gefallen. Austin ist sehr nett und hat unser Vorurteil gegenüber den Amerikanern ins Wackeln gebracht. Fazit der Reise in der Hinsicht ist, dass die Amis gar nicht so unfreundlich sind, wie man sagt, und dass es stimmt, dass sie einfach die Tür offen lassen, wenn sie nicht zu Hause sind.

Am 28. Februar habe ich morgens zum Frühstück Orangen aus dem Vorgarten gepflückt (ja!) und Sven und ich sind zu Fuß, ich in Rock und Flipflops bei ca. 20°C, dann mit dem Bus nach Santa Monica gefahren. Der Strand dort ist toll, es gibt auch Volleyballnetze, die mich wieder daran erinnert haben, dass ich hier zu wenig Sport mache, viele Menschen machen dort Yoga, fahren Fahrrad, machen Übungen an Reck und Ringen etc. Am Strand haben wir uns entspannt und sind später mit dem Bus nach Venice Beach gefahren. Die Promenade dort ist sehr hippie, es werden Sonnenbrillen en masse verkauft und Werbung für die Legalisierung von Marihuana zur medizinischen Anwendung gemacht. Abseits von der Uferstraße gibt es ein Kanalnetz, an dem schöne Häuser stehen, und es hatte stark venezianisches Flair.

 

Abends sind wir, etwas röter im Gesicht, zu Austin zurückgekehrt und am nächsten Morgen (1. März) um 10 Uhr losgefahren, um uns das zwei Autominuten entfernte Beverly Hills, den Rodeo Drive mit monströsen Häusern und Hollywood anzusehen. Wir sind den Walk of Fame entlanggegangen, haben das Chinese Theatre mit den Fuß- und Handabdrücken der Stars gesehen, Madame Tussauds Wax Museum besucht, waren im Hard Rock Café und ich habe eine kleine Shoppingtour unternommen ohne etwas zu kaufen. Hollywood war interessant, aber da ich kein großer Fan von irgendwelchen Stars und Sternchen bin, für mich nichts Superaufregendes, aber trotzdem interessant zu sehen. Besonders interessant und nervig fand ich die Leute auf der Straße, die in Kostümen stecken und Fotos mit den Touristen machen wollen und nachher unschuldig um ein kleines Trinkgeld bitten, oder die Möchtegern-zukünftigen-Musikstars, die einem ihre Demo CDs in die Hand drücken und sie einem wieder entreißen, wenn man nicht bereit ist eine Spende von 5 Dollar zu machen.

Weiter ging es am Morgen des 2. März nach Las Vegas, wo wir am späten Nachmittag unser Zimmer im Hostel bezogen haben. Das erste Gebäude, welches ich erblickt habe, als wir aus dem Hostel rausgegangen sind, war eine Hochzeitskapelle, die mit Komplettpaketen warb. Davon gab es mehrere den Las Vegas Boulevard herunter, bevor die Reihe von Casinos und Hotels begann. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viele Mustang, Lamborghini, Maserati, Porsche und so weiter auf einem Haufen gesehen-

Abends haben wir uns auf den Weg gemacht, um das Nachtleben zu erkunden, unterwegs nette Leute aus Kanada kennen gelernt und sind im Casino des Treasure Island geendet, wo wir uns im Glücksspiel versucht haben. Das fand ich persönlich mathematisch sowie psychologisch interessant, aber ich war dann doch froh, als ich draußen war, das Portemonnaie nur um 10$ leichter.

 

Am nächsten Morgen ging es früh wieder los, denn der Rückweg lag vor uns. Zum Grand Canyon haben wir es leider am Ende nicht mehr geschafft, aber ich befürchte, dass ich eines Tages mit etwas mehr Zeit im Gepäck wiederkommen muss, um auch andere Dinge, die wir nicht gesehen haben, zu erkunden.

 

Auf dem Rückweg ist uns der Sprit ausgegangen, denn wir als arme Europäer hatten keine Ahnung, dass es zwischen Las Vegas und dem 800 km entfernten Twin Falls nur eine Tankstelle gibt. Dort haben wir nicht getankt, weil wir noch über eine halbe Tankfüllung hatten und dachten, es muss ja unterwegs regelmäßig Tankstellen geben, und sind dann irgendwo im Mitten von Nirgendwo liegengeblieben. Zum Glück haben wir damit gerechnet und sind mit dem letzten Tropfen in die Auffahrt einer Farm eingebogen, wobei in der Kurve schon der Motor ausgegangen ist. Der nette Farmer kannte die Situation schon zur Genüge und hat uns ausgeholfen, sodass wir bis zur nächsten Stadt kommen konnten. Seit dem Tanken bei der Full Service Tankstelle dort funktioniert meine Tankanzeige nicht mehr richtig, aber ich weiß ja jetzt, wie viele Kilometer ich mit meinem Baby schaffe, bevor ich liegen bleibe.

 

Nach zwei Tagen Autofahrt Wieder in Vancouver vermisse ich das tolle Wetter mit 20°C Ende Februar und frischen Orangen zum Frühstück. Ab morgen muss ich mich wieder am 20°C unter null gewöhnen, denn dann geht es los. Ich habe noch keinen Plan, mit fehlt noch etwas Ausrüstung und die genaue Reiseroute, aber die Ausrüstung besorge ich noch und über die Reiseroute mache ich mir keine Sorgen. Grobe Eckpunkte wie Calgary und danach Toronto habe ich und was dazwischen kommt, wird die Zeit zeigen. Vielleicht habe ich auch nach ein paar Tagen genug vom Schnee und fahre zurück in die Staaten :-) Das ist der große Vorteil daran, allein im eigenen Auto zu reisen.

 

Ich mich jetzt auf den Weg, besuche vielleicht noch Judy und fahre heute Abend zu meinen mexikanischen Ex-Roomies, von wo aus ich morgen früh starten werde.

Bald mehr von der kleinen Abenteurerin.

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